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am 30. April 2014

Rapsblüte vermehrt sterbende und verwirrte Bienen

Wolfgang Spitzmüller - Grüne fordern komplette Vermeidung von Mitteln die Bienen schädigen oder töten.

„Das Teil-Verbot der besonders bienenschädigenden Neonicotinoide war der erste Schritt, jetzt müssen weitere folgen“, verlangt Wolfgang Spitzmüller von den Grünen gemeinsam mit Simon Tötschinger, Imker in Jois. Gerade zur Rapsblüte häufen sich bei vielen ImkerInnen wieder verwirrte und sterbende Tiere, die qualvoll verenden. Der Raps ist neben dem Mais eine jener Intensiv-Nutzpflanzen, die für die Natur am problematischsten ist, benötigen beide doch sehr hohe Kunstdüngergaben und einen intensiven Griff zu den Agrargiften, die beschönigend „Pflanzenschutzmitteln“ genannt werden.

GIFTE ALS BEDROHUNG FÜR INSEKTEN UND ARTENVIELFALT

Die als Bienengift geltenden Beizmittel der Neonicotinoide-Gruppe sind glücklicherweise seit fast einem Jahr weitgehend verboten. Die Grünen drängen nun darauf, die nächsten Schritte zum Schutz der Bienen und Insekten zu setzen.

Das Problem der Beiz- und Spritzmittel ist nach wie vor für die Bienen und andere Insekten sehr groß und bedroht damit die Artenvielfalt und das Ökosystem im Ganzen. Laut einer Studie der Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist über die Wechselwirkungen verschiedenster Pestizide wenig bis nichts erforscht und bekannt. Unsere Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und zahlreiche andere BlütenbesucherInnen bekommen täglich einen wahren Chemiecocktail verpasst. Wie diese verschiedenen Mittel in Kombination wirken ist eben kaum bekannt.

WIR BRAUCHE UNSERE INSEKTEN ALS BESTÄUBER

Natürlich ist das Problem der Imker zur Zeit vielseitig, auch die Varoamilbe setzt den Völkern zu, aber die Gefahr, die von der Milbe ausgeht, haben die Imker inzwischen weitgehendest im Griff und zwar mit im biologischen Landbau zugelassenen Mitteln. „Wir müssen endlich vom massiven Chemieeinsatz in unserer Landwirtschaft und damit von Chemie in unseren Lebensmitteln wegkommen. Wir brauchen unsere Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Bestäuber. Das sage ich nicht nur als Tierschützer, sondern auch als Bauer“, sagt Wolfgang Spitzmüller .

Der Joiser Imker Simon Tötschinger ergänzt: „Die Biolandwirtschaft macht es bereits seit Jahrzehnten vor und muss Leitbild einer Alternative zur Agrolandwirtschaft sein. Der größte Feind einer artenreichen Naturlandschaft ist nach wie vor die konventionelle Intensivlandwirtschaft.“

INDUSTRIE ZEIGT DEN TREND VOR, POLITIK HINKT HINTERHER

Viele positive Ansätze von Industrieunternehmen zeigen den richtigen Weg: Trendsetter wie Bellaflora verbannen alle Kunstdünger aus den Regalen. Der Erdenproduzent Sonnenerde (Riedlingsdorf) produziert Erden mit Pflanzenkohle, die ohne Kunstdünger auskommen, das junge Unternehmen BioFerm hat sich auf biotechnologische Pflanzenschutzmittel ohne Gentechnik spezialisiert. "Nur unsere zuständigen PolitikerInnen, allen voran aus den Reihen der ÖVP, und die der EU hinken hier noch weit hinterher. Der neue Landwirstschafts-Minister Rupprechter hat zwar durch erwartungsvolle Aussagen aufhorchen lassen, wir werden sehen, wie es dann in der Praxis aussieht", so Spitzmüller. Die Grünen werden Rupprechter im Auge behalten.

LANDWIRTSCHAFTSPOLITIK IM BURGENLAND – NACHHOLBEDARF BEI BIENENSCHUTZ

Leider ist das Verständnis bei den politisch Verantwortlichen für eine Landwirtschaft ohne Chemie auch im Burgenland nach wie vor sehr gering. Ein Beispiel: So verweist der Blumenschmuck-Wettbewerbs-Folder des Landes Burgenland, gleich am Beginn unter „Tipps und Tricks“ auf die Verwendung von Kunstdünger. Pflanzenschutz sei angeblich nur mit den herkömmlichen Giftmitteln möglich, so der Eindruck, der entsteht.

Auch der Landwirtschaftskammerpräsident schreibt in letzten Ausgabe des Landwirtschaftlichen Mitteilungsblattes, dass es ohne Pflanzenschutz, also giftigen Spritzmitteln nicht geht, und er vergleicht diese mit Medikamenten bei Krankheiten von Menschen. Spitzmüller: "Ein Vergleich, der mehr als nur hinkt und von einem völligen verkennen der Problematik zeugt."

STIRBT DIE BINE, STIRBT DER MENSCH

Spitzmüller fordert ein rasches und konsequentes Handeln:

„Bei den Bibern wird für den 'Schutz der Landwirtschaft' sogar Naturschutzrecht außer Kraft gesetzt. Ich fordere den kompletten Ausstieg aus Mitteln die die Bienen schädigen oder töten, besser heute als morgen, letztendlich geht es hier auch um unsere Zukunft. Stirbt die Biene, stirbt der Mensch.“

Spitzmüller und Tötschinger in Sorge um die Bienen
In Sorge um die Bienen: Imker Simon Tötschinger mit Wolfgang Spitzmüller.